25 Jahre MGV - erstes Jubiläum

Außer einem guten Chorleiter ist die Verfügbarkeit eines geeigneten Übungsraums für den Bestand eines Gesangvereins von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Zunächst hielt der Verein, wie bereits berichtet, seine Übungsstunden in den oberen Räumen des Rathauses ab. Diese waren jedoch auf Dauer wegen ihrer geringen Größe nicht sonderlich geeignet. Am 1. Juli 1895 fand dann zum ersten Mal die Gesangsstunde in dem kleinen Saal im ersten Stock des damaligen „Gasthaus Wolf“ statt. Über achtzig Jahre lang war dies anschließend das Vereinslokal des MGV. Als Nachfolger des Kronberger Lehrers Fehler übernahm 1898 der ebenfalls aus Kronberg kommende Musikdirektor Wilhelm Weimar das Dirigentenamt. Im gleichen Jahr wurde der MGV Mitglied im Maintaunus-Sängerbund.
Das Jahr 1900 war für den MGV von besonderer Bedeutung, galt es doch, das 25-jährige Bestehen in einem entsprechenden Rahmen zu feiern. Das Jubiläumsjahr begann im Februar mit einem großen Konzert im Saal des Gasthauses „Nassauer Hof“ (später Weinhaus Hasselbach neben dem Rathaus). Das eigentliche Fest am letzten Wochenende im Juli stand vom Wetter her unter keinem guten Stern.
Die Chronik berichtet von Unwettern, Blitzschlag und starkem Regen. Nachdem der Samstag bereits stürmisch verlaufen war – unter anderem war die Beleuchtung ausgefallen – wurde das Fest am Sonntag mit Böllern von der Burg herunter „angeschossen“.
15 Gastvereine waren gekommen und zogen gemeinsam mit den Falkensteiner Organisationen, dem Jubelverein und 25 Ehrenjungfrauen unter den Klängen des Kronberger Musikvereins durch das geschmückte Dorf zum Festplatz „Unter den Eichen“. Die Mitteilung, dass 1.500 Teilnehmerkarten zum Verkauf angeboten wurden, zeigt die hohe Erwartung, die der Verein hinsichtlich der Besucherzahl hatte. Leider musste die Veranstaltung jedoch bereits am frühen Nachmittag wegen eines schweren Gewitters abgebrochen und überstürzt in den Saal des „Nassauer Hof“ verlegt werden.
Im 25. Jahr seines Bestehens zählte der Verein 80 Mitglieder, davon waren etwa die Hälfte aktive Sänger. Die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts brachten dem MGV einige Probleme bei der Dirigentenwahl. Wilhelm Weimar und sein Nachfolger, der Rektor Philipp Kern, schieden aus Altersgründen aus dem Amt. Der Verein konnte zwar Heinrich Kaltenhäuser gewinnen, dieser verstarb 1909 jedoch plötzlich.
Der neue Chorleiter, Ludwig Sauer, Lehrer aus Kronberg, wie die meisten seiner Vorgänger, war dann für den Gesangverein ein Glücksgriff. Lange erzählten die älteren Mitglieder von seinem Können und Temperament und sang der Männerchor seine Kompositionen wie zum Beispiel „Falkensteins Nationalhymne“, das Taunuslied, und viele andere. Dreißig Jahre lang, bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges, leitete Sauer den MGV und formte ihn zu einem der bedeutenden Gesangvereine des Vordertaunus‘. In der Mitgliederversammlung des Jahres 1914 wurde die Satzung den veränderten Verhältnissen angepasst und der Vereinsname in „Männergesangverein Falkenstein“ geändert.