unsere

Geschichte

Im Jahr 2025 feierte unser Verein seinen 150. Geburtstag.  Zum Zeitpunkt der Vereins­gründung 1875 hat sicherlich keiner der Gründer damit gerechnet, dass der damalige ‚Männer­gesangs­verein Frohsinn‘ einmal auf eine derart traditions- und ereignisreiche  Geschichte zurückschauen kann. Aktuell hat unser Verein rund 110 Mit­glieder, wovon 30 Männer und Frauen aktiv in unserem Gemischten Chor mitwirken. Wir freuen uns immer über neue Stimmen und interessierte Menschen!

Die Geschichte unseres Vereins finden Sie nachstehend in einem Überblick mit den Meilensteinen und - wenn Sie wünschen - auch in einer ausführlichen Chronik.

wichtige

Meilensteine

1875

Gründung als Männergesangverein 'Frohsinn Falkenstein'

1879

Weihung der Vereinsfahne

1914

Umbenennung in 'Männergesangverein Falkenstein'

1925

Stiftungsfest, erstes Rundfunkkonzert in Frankfurt (1926)

1947

Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg

1965

Teilnahme an der Sendereihe des HR 'Hessische Chöre singen'

1970

Erste Konzertreise nach Berlin mit Auftritt im Grossen Sendesaal des SFB

1972

Erste Konzertreise in die Partnergemeinde Le Mêle-sur-Sarthe (Normandie)

1975

Feier des 100-jährigen Vereinsjubiläums mit 40 Gastvereinen

1979

Symbolische Übergabe eines von den Sängern freigelegten Burgkellerraums an die Stadt Königstein - ab diesem Zeitpunkt fand alljährlich das 'Kellerfest' des Vereins auf der Falkensteiner Burg statt, letztmalig 2016.

1994

Gründung des Frauenchors 'CantaNobis'

1998

Konzert mit Ivan Rebroff unter Beteiligung beider MGV-Chöre

1999

Konzertreise nach Rom mit Aufritt im Petersdom

2000

Feier des 125-jährigen Vereinsjubiläums mit 60 Gastvereinen

2005

Konzertreise nach Le Mêle-sur-Sarthe mit Besuch des Senats in Paris und Konzert beider Chöre in der Kathedrale Notre Dame

Sanierung des von der Stadt Königstein gepachteten Hauses Alt Falkenstein 15, mit Unterstützung zahl­reicher Falkensteiner Handwerker und För­derer. Das Haus dient seither als Vereinssitz.

Feier des 130-jährigen Vereinsjubiläums mit Ausrichtung eines sakralen Chorwett­bewerbs

2009

Mehrtagesfahrt nach Dresden mit Konzert in der Partnerstadt Königstein in Sachsen

2024

30-jähriges Jubliäum unseres Frauchenchors 'CantaNobis'

2025

150-jähriges Jubiläum - verschiedene Feierlichkeiten übers ganze Jahr

ausführliche

Chronik

Gründung, erste Jahre

Am 3. Oktober 1875 trafen sich einige Falken­steiner Bürger, um einen neuen Verein zu gründen. Der Vereinszweck sollte die Pflege des deutschen Liedes so wie die gesellige Unterhaltung der Mitglieder sein. Der Neugründung gab man den Namen „Männergesangverein Frohsinn Falken­stein“. Es war der zweite Gesangverein, der jetzt in dem kleinen Dorf bestand, denn bereits seit 1861 gab es den Männergesang­verein „Harmonia“. Über die Umstände der Vereins­gründung ist uns nichts überliefert. Möglicherweise war es eine bewusste Konkurrenzgründung zu dem bestehenden Verein.

Die Namen der Gründer und ihre Berufe sind uns alle überliefert und geben einen guten Einblick in die damaligen Falkensteiner Verhältnisse. Im Einzelnen handelte es sich um: Philipp Becker, Maurer; Philipp Feger, Maurermeister; Nikolaus Greier, Maurer; Georg Schalk, Maurer; Heinrich Wolf, Maurer; Jakob Wolf, Waldarbeiter; Johann Harsy, Gärtner; Creszenz Ochs, Schuster; August Wollrab, Schuster; Ludwig Hassel­bach, Maurer; Johann Geibel, Schneider­meister; Johann Feger, Landwirt; Kaspar Hasselbach, Landwirt; Johann Mühl, Land­wirt (Reihenfolge und Schreibweise lt. Chronik).

Einige Namen kommen auch heute noch in Falkenstein vor, denn zahlreiche Nachkom­men der Gründer leben nach wie vor hier am Ort. Als Vorsitzenden und Chorleiter konnte man den in Falkenstein tätigen Lehrer Kaspar Theis gewinnen. Die Chorproben fanden in den ersten Jahren im oberen Raum des alten Falkensteiner Rathauses statt. 

 Für jeden, der die Räumlichkeiten kennt, ist das nur schwer vorstellbar und wäre heut­zutage unmöglich. Die Statuten, die sich die Mitglieder gaben, umfassten 19 Paragra­phen und regelten die Pflichten gegenüber dem Verein sowie das Verhältnis der Mitglie­der untereinander.

Laut Gebäudeverzeichnis von 1875 hatte Falkenstein damals 90 Wohnhäuser und landwirtschaftlich genutzte Baulichkeiten. Das Dorf gruppierte sich um das Rathaus herum im Bereich des heutigen „Alt-Falkenstein“. Die Einwohnerzahl lag bei ca. 630. Falkenstein gehörte verwaltungsmäßig zu dem seit 1867 bestehenden neuen preußischen „Obertaunuskreis“ mit Sitz in Bad Homburg. Bürgermeister war Wilhelm Eigner, der das Amt von 1849 bis 1876 innehatte. Nach der Revolution 1848 waren die „Schultheißen“ durch die „Bürger­meister“ ersetzt worden. Von 1876 bis 1879 fungierte der Spezereihändler und Präsident der Kriegsveteranen, Philipp Mühl, als Bürgermeister, ihm folgte dann der Landwirt Heinrich Mühl, der das Amt dreißig Jahre lang bekleidete.

Trotz der zum Teil ungünstigen Klima- und Bodenverhältnisse spielte die Landwirt­schaft für die Eigenversorgung der Bevöl­kerung eine nicht unwichtige Rolle. 1875 lagen 44 ha Ackerland und 67 ha Wiesen­fläche im Falkensteiner Gemeinde­bereich. Seit 1874 bestand in Falkenstein (auf dem Gelände des heutigen Hotels Falkenstein Grand und der Asklepiosklinik) eine große Heilanstalt für TBC-Kranke, die vor allem durch ihren Leiter Geheimrat Dr. Peter Dettweiler und dessen Therapien in kurzer Zeit weit über Deutschland hinaus bekannt wurde und Patienten aus vielen Ländern nach hier führte. Nachdem der Schul­unter­richt jahrelang an verschiedenen Orten abgehalten wurde, errichtete die Gemeinde 1887 ein neues Schulhaus. Wegen der großen Kinder­zahl (über 150 schulpflichtige Kinder) wurde bereits 1899 eine dritte Lehrerstelle eingerichtet.

Konzerte & Tanz, Sängerfest & Ausflüge

Die Aktivitäten des neuen Vereins liefen ganz allmählich an. Für 1877 wird von einer Weihnachtsfeier mit Konzert und Tanz im Saal des „Frankfurter Hof“ berichtet. Dieser Veranstaltung in den Räumlichkeiten des 1852 in Betrieb genommenen Hauses sollten im Laufe der Jahre noch viele folgen. Häufig lesen wir in den alten Aufzeich­nungen von Festen, Konzerten, Fastnachts­veranstal­tungen usw., die der MGV im Frankfurter Hof abhielt.

Der erste Höhepunkt im Vereinsleben war dann ohne Zweifel die Weihe der neuen Fahne im Jahre 1879. Überhaupt stellte die Fahnenweihe bei Gesang- und auch Sportvereinen in früheren Zeiten ein ganz besonderes Ereignis dar, das jeweils mit größeren Festlichkeiten begangen wurde. So hatte auch der MGV zu seiner Fahnen­weihe 70 auswärtige Vereine eingeladen, von denen 30 der Einladung folgten. Die heraus­ragende Bedeutung einer Fahnenweihe wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass der Männergesangverein seinerseits zwischen 1880 bis 1905 an neun derartigen Festen befreundeter Vereine teilnahm.

1881 besuchte der Verein zum ersten Mal ein größeres Sängerfest, und zwar das Gau-Sängerfest in Schmitten. All dies zeigt, dass sich der neue Verein nach einer Zeit der Festigung und inneren Entwicklung schnell nach außen wandte, mit anderen Gesangs­vereinen in Verbindung trat und sein Können auch außerhalb des Dorfes vorstellte.

Nach den Aufzeichnungen des Vereins­chronisten war die Verpflichtung eines geeigneten Chor­leiters nicht selten mit Schwierigkeiten verbunden, da ein geeig­neter Musikpädagoge nicht immer leicht zu finden war. 1886 übernahm der Haupt­lehrer Wilhelm Fehler aus Kronberg für die fol­genden 12 Jahre die Chorleitung. Neben dem Besuch von Wettstreiten und von Veran­stal­tungen anderer Gesangvereine wurde in großem Umfang die Geselligkeit gepflegt, ganz im Sinne der Gründer. Zahlreiche Ausflüge in die nähere und wei­tere Umgebung – nicht selten auf ge­schmückten Leiterwagen – wurden unter­nommen. Man stelle sich einmal das bunte Bild vor, von dem aus dem Jahre 1897 berichtet wird: 100 Personen auf vier großen mit Grün und bunten Bändern ge­schmückten Leiterwagen bei einem Vereins­ausflug nach Glashütten. 1904 hatten diese Fahrten sogar noch fernere Ziele, denn es heißt, dass damals über 40 Vereinsmit­glieder, auf drei Wagen verteilt, bis nach Friedberg und Bad Nauheim fuhren.

25 Jahre MGV - erstes Jubiläum

Außer einem guten Chorleiter ist die Verfügbar­keit eines geeigneten Übungs­raums für den Bestand eines Gesangvereins von nicht zu unter­schätzender Wichtigkeit. Zunächst hielt der Verein, wie bereits berichtet, seine Übungs­stunden in den oberen Räumen des Rathauses ab. Diese waren jedoch auf Dauer wegen ihrer geringen Größe nicht sonderlich geeignet. Am 1. Juli 1895 fand dann zum ersten Mal die Gesangs­stunde in dem kleinen Saal im ersten Stock des damaligen „Gasthaus Wolf“ statt. Über achtzig Jahre lang war dies anschließend das Vereinslokal des MGV. Als Nachfolger des Kronberger Lehrers Fehler übernahm 1898 der ebenfalls aus Kronberg kommende Musikdirektor Wilhelm Weimar das Dirigentenamt. Im gleichen Jahr wurde der MGV Mitglied im Maintaunus-Sängerbund.

Das Jahr 1900 war für den MGV von besonderer Bedeutung, galt es doch, das 25-jährige Bestehen in einem entsprechenden Rahmen zu feiern. Das Jubiläumsjahr begann im Februar mit einem großen Konzert im Saal des Gasthauses „Nassauer Hof“ (später Weinhaus Hasselbach neben dem Rathaus). Das eigentliche Fest am letzten Wochen­ende im Juli stand vom Wetter her unter keinem guten Stern.

Die Chronik berichtet von Unwettern, Blitzschlag und starkem Regen. Nachdem der Samstag bereits stürmisch verlaufen war – unter anderem war die Beleuchtung ausgefallen – wurde das Fest am Sonntag mit Böllern von der Burg herunter „angeschossen“. 

15 Gastvereine waren gekommen und zogen gemeinsam mit den Falkensteiner Organi­sationen, dem Jubelverein und 25 Ehren­jungfrauen unter den Klängen des Kron­berger Musikvereins durch das geschmückte Dorf zum Festplatz „Unter den Eichen“. Die Mitteilung, dass 1.500 Teilnehmer­karten zum Verkauf angeboten wurden, zeigt die hohe Erwartung, die der Verein hinsichtlich der Besucherzahl hatte. Leider musste die Veranstal­tung jedoch bereits am frühen Nachmittag wegen eines schweren Gewitters abgebrochen und überstürzt in den Saal des „Nassauer Hof“ verlegt werden.

Im 25. Jahr seines Bestehens zählte der Verein 80 Mitglieder, davon waren etwa die Hälfte aktive Sänger. Die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts brachten dem MGV einige Probleme bei der Dirigentenwahl. Wilhelm Weimar und sein Nach­folger, der Rektor Philipp Kern, schieden aus Alters­gründen aus dem Amt. Der Verein konnte zwar Heinrich Kaltenhäuser gewinnen, dieser verstarb 1909 jedoch plötzlich.

Der neue Chorleiter, Ludwig Sauer, Lehrer aus Kronberg, wie die meisten seiner Vor­gänger, war dann für den Gesangverein ein Glücksgriff. Lange erzählten die älteren Mitglieder von seinem Können und Temperament und sang der Männer­chor seine Kompositionen wie zum Beispiel „Falkensteins National­hymne“, das Taunus­lied, und viele andere. Dreißig Jahre lang, bis zum Beginn des Zweiten Welt­krieges, leitete Sauer den MGV und formte ihn zu einem der bedeutenden Gesang­vereine des Vorder­taunus‘. In der Mitglie­der­versammlung des Jahres 1914 wurde die Satzung den veränderten Verhältnissen angepasst und der Vereinsname in „Männer­gesangverein Falkenstein“ geändert.

Nachkriegszeit, 50 Jahre MGV und erste Rundfunk-Konzerte

Die Besatzungszeit, die bis 1930 andauerte und nach französischen dann später englische Truppen hierher brachte, stellte aufgrund der strengen Reglementierung, der Kontrollen und Behinderungen des täglichen Lebens für die gesamte Bevölkerung eine große Belastung dar. Im Oktober 1919 nahm der Verein seine Tätigkeit wieder auf. Der Krieg hatte die Reihen gelichtet, viele waren nicht wieder zurückgekehrt, andere warteten noch in französischer Gefangenschaft auf die Heimkehr. 

Die Aktivitäten des MGV in der Zeit von 1920 bis 1925 sind vor allem durch die Ausrichtung oder Beteiligung an Wohltätig­keitsveranstaltungen gekennzeichnet, wobei die Anlässe ganz unter­schiedlich waren. So wurden die deutschen Kriegsgefangenen in Sibirien ebenso bedacht wie das Königstei­ner Krankenhaus, die Suppenküche in Kronberg sowie bedürftige Kinder, um nur einige der Begünstigten zu nennen. 

Sofern diese oder auch andere Konzerte in Falkenstein stattfanden, bevorzugte der Verein als Veranstaltungsort den großen Saal des ehemaligen Offiziersheims, das seit 1921 wieder als ziviles Erholungsheim zur Verfügung stand und jetzt den Namen „Obertaunusheim“ führte. Dies war auch der Ort, an dem der musikalische Teil des 50-jährigen Jubiläums, ein großes Konzert am 12. Juli 1925, stattfand.

Die Jahre bis zum Beginn des „Dritten Reiches“ brachten dem Verein eine ganze Reihe von musikalischen Höhepunkten: 1926 erstes Rundfunkkonzert in Frankfurt, 1927 zwei Konzerte aus Anlass der Internatio­nalen Musikausstellung in Frankfurt, 1928 Teilnahme einer Vereinsdelegation am Deutschen Sängerfest in Wien und schließlich 1932 aktive Teilnahme am Deutschen Sängerfest in Frankfurt am Main. Aus diesem Anlass erschien in der Deutschen Sängerzeitung folgende Notiz: „Zu den Vereinen, die eine fortschrittliche Chor­gesinnung hegen, gehört der Falkensteiner Männergesangverein, Chorleiter Ludwig Sauer…“. 

Ein Ereignis anderer Art soll nicht unerwähnt bleiben. 1929 wurde eine neue Vereinsfahne ihrer Bestimmung übergeben. Der Entwurf, in Anlehnung an die alte Fahne gefertigt, stammte von dem Sänger Josef Dietz. Die Handarbeiten wurden von einer Gruppe von Frauen unter der Leitung der Vereinswirtin Lisa Wolf ausgeführt.

Die französische Besatzungsmacht hatte 1918 einen neuen Verwaltungsbezirk (Hilfskreis), zu dem auch Falkenstein gehörte, mit Sitz in Königstein eingerichtet und den dortigen Bürgermeister zum Landrat ernannt. 1923 bildete sich aus dem Männer­gesangverein „Harmonia“ heraus ein weiterer Chor, nämlich der Arbeiter­gesangverein „Freiheit“, der sich zeitweise auch „Volkschor“ nannte und auch als gemischter Chor auftrat. Jetzt gab es also drei Gesangvereine in Falkenstein.

Als weiterer musikalischer Verein wurde 1925 der „Mandolinenclub Falkenstein“ gegründet. Das Vereinsleben gedieh trotz der von den Besatzungsmächten gezogenen Grenzen und der schwierigen wirtschaft­lichen Gegebenheiten (Inflation) insgesamt verhältnismäßig gut. Zum Ende der Besatzungszeit fand in der Nacht zum 1. Juli 1930 eine ein­drucksvolle Feier mit Fackelzug, Glockengeläut, Böllerschüssen, Freudenfeuer, Liedern und Ansprachen am „Schönblick“ statt.

'Führerrat' statt Vorstand, Aufmärsche und Nationales Liedgut ...

Noch nie zuvor hatte sich die Veränderung der politischen Landschaft so massiv bis in das Vereinsleben hinein ausgewirkt, wie dies 1933 nach der Machtübernahme der Nazis durch deren „Gleichschaltungsgesetz“ der Fall war. Das „Führerprinzip“ wurde überall durchgesetzt. Der bisherige Vorsitzende hieß jetzt „Vereinsführer“. Dies betraf selbstverständlich auch den Männergesang­verein Falkenstein. „Eine Vorstandswahl findet nach dem neuen Führersystem nicht mehr statt“, heißt es im Protokoll der Hauptversammlung von 1935. Die Mehrheit des Führerrates (bisher Vorstand) sollte – so die neue Vorschrift – der Partei oder einer ihrer Organisationen angehören. Der damalige Vorstand des MGV entsprach in seiner Zusammensetzung dieser Anforde­rung nicht. Es bedurfte daher einigen Geschicks, um die neuen Bestim­mungen zu erfüllen, ohne dass sich einzelne Mitglieder in eine allzu große Abhängigkeit begaben und ohne dass der Bestand des Vereins gefährdet war. Es traten daher Mitglieder, die der neuen Richtung nahestanden, pro Forma dem Führerrat (Vorstand) bei, so dass der verlangte Proporz erreicht war.

Die NSDAP und ihre Gliederungen waren überall präsent und kontrollierten das gesamte öffentliche Leben. Jede Veran­staltung, selbst Weihnachtsfeiern und Familienabende, bedurften einer vorherigen Genehmigung durch die örtliche Parteil­eitung (Ortsgruppenleiter). Zu diesem Zweck musste jeweils ein genauer Programm­­ablauf vorgelegt werden. Im Frühjahr 1934 mussten sämtliche Verant­wortlichen des Vereins eidesstattliche Erklärungen abgeben, dass die Gleich­schaltung des Vereines erfolgt sei, dass man sich nie marxistisch betätigt habe, sondern rückhaltlos hinter der neuen Regierung der nationalen Erhebung stehe und dass der Dirigent niemals zuvor einen Arbeiter­gesangverein geleitet habe.

Der Verein musste auch sein Repertoire den neuen Vorstellungen anpassen. Manche Gesänge waren künftig verboten, dafür dominierte jetzt das „nationale Liedgut“. Die Teilnahme an den sich häufenden offiziellen Terminen war unumgänglich. Bedingt durch die verstärkte Tätigkeit etlicher Mitglieder in den nationalen Organisationen, die für den einzelnen einen nicht unerheblichen Zeitaufwand mit sich brachte – nicht selten wurden diese Termine bewusst auch so angesetzt, dass eine Teilnahme an anderen Aktivitäten nicht möglich war – ging die Zahl der aktiven Mitglieder des Vereins ständig zurück: 1934 zwölf Austritte; 1935 10 Austritte. Vor allem die älteren Sänger konnten diese Entwicklung nicht verstehen. Im Zusammenhang mit den bewussten Termin­überschneidungen ist die provozie­rende Frage eines alten Sängers an die Jüngeren überliefert: „Wer war dann eher da, die (gemeint waren die Nazis) oder wir“ ? „Wir!“

Der Mitgliederbestand betrug Ende 1936 nur noch 42 aktive und 61 passive Mitglieder Trotz all dieser Schwierigkeiten setzte der Verein seine Tätigkeit mit der gleichen Intensität wie früher fort und veranstaltete Konzerte, gesellige Abende, Ausflüge und Familienfeiern. Das 60-jährige Vereinsbe­stehen wurde wiederum mit einem großen Konzert begangen. Seit dem Sommer 1939 mehrten sich dann die Einberufungen.

Allein im August mussten 17 Sänger einrücken, was eine starke Einschränkung der Gesangs­tätigkeit bedeutete. Die letzte Veranstaltung vor dem Ausbruch des Krieges war ein Vereinsausflug mit einem „KdF-Zug“ von Kronberg nach Heidel­berg (Fahrpreis 2,60 Reichsmark), an dem 70 Falkensteiner teilnahmen.

Kriegsjahre

Noch stärker als während des Ersten Weltkrieges litt jetzt die gesangliche Tätigkeit des Vereins, denn zu der Abwesenheit zahlreicher Aktiven kam noch die Gefahr der Fliegerangriffe hinzu. Der äußerst verdiente Dirigent Ludwig Sauer verstarb nach mehr als dreißigjähriger Tätigkeit für den MGV im Frühjahr 1940. Sein Sohn Dr. Gustav Sauer erklärte sich später bereit, die Leitung des Chores weiterzuführen. Die Anzahl der Proben wurde jedoch auf ein- bis zweimal monatlich reduziert, zumal Dr. Sauer zu diesem Zweck jeweils aus Mainz anreisen musste. 1944 zählte der Verein noch 82 Mitglieder (36 aktive, 46 passive), von denen allerdings 26 im Krieg waren. Der Vorstand sah es als eine besondere Aufgabe an, während dieser Zeit mit Kriegsteilnehmern aus den Reihen des Vereins in einem ständigen Briefkontakt zu bleiben. 

Die Ergebnisse sämtlicher freier Wahlen zwischen 1928 und 1933 zeigten in Falkenstein eine eindeutige Mehrheit (jeweils über 60%) für die demokratischen Parteien, wobei das Zentrum mit über 40% immer an der Spitze lag.

Noch im Frühjahr 1933 in der letzten halbwegs freien Reichstagswahl stimmten in Falkenstein nur 27% der Wähler für die NSDAP, während der Durchschnitt im Deutschen Reich bei fast 44% für diese Partei lag. Die „Gleichschaltung“ und weitere Verbote bedeuteten das Ende etlicher Vereine und Gruppen. Der Arbeiter­gesangverein „Freiheit“ wurde verboten, der Gesangverein „Harmonia“ löste sich auf. Die katholischen Organisationen und Verbände, die zunächst noch den Schutz des Reichskonkordates genossen, wurden in den Folgejahren verboten und ihr Vermögen eingezogen. In Falkenstein betraf dies sämtliche katholischen Jugendgruppen einschließlich den aus dem katholischen Bereich kommenden Sportverein „Deutsche Jugendkraft“. Das Eigentum der jüdischen Einwohner Falkensteins wurde im November 1938 zerstört oder beschädigt. In der früheren Villa Rehe im Reichenbachweg wurde ein NSV-Müttererholungsheim eingerichtet. Sowohl das Offiziersheim als auch das Hotel „Frankfurter Hof“ dienten während des Krieges als Lazarett. Im Rahmen der Flugabwehr wurde auf den Feldern oberhalb des Ortes eine Scheinwerferstation mit Richtfunk installiert.

Zahlreiche Familien, die in Frankfurt und anderswo ausgebombt waren, kamen nach Falkenstein und mussten aufgenommen werden. Gegen Ende des Krieges mehrten sich die Fliegerangriffe. In der Nacht zum 3. Februar 1945 wurden bei einem Bomben­angriff im unteren Ortsteil verschiedene Häuser getroffen und zerstört. Über 50 Brände mussten in dieser Nacht gelöscht werden. Am Nachmittag des 29. März 1945, es war der Gründonnerstag, ging mit dem Einmarsch der Amerikaner in Falkenstein der Krieg zu Ende.

Neubeginn nach 1947

Ähnlich schnell wie nach dem Ersten Weltkrieg bemühten sich die Verantwort­lichen des Männergesangvereins 1947 um einen Neuanfang. Der bei der amerikanischen Besatzungsmacht zu stellende Antrag auf Wiederbegründung des Vereins wurde positiv beschieden und so konnten die Gesangsproben wieder aufge­nommen werden. Als musikalischen Leiter hatte man Musikdirektor Curt Siebert aus Kronberg gewinnen können, der mit dem Verein schon bald Wertungssingen und Wettstreite besuchte. 

So gelang es durch die Tatkraft und den Mut der Verantwortlichen, den Verein erneut schnell auf ein hohes Niveau zu bringen und an frühere Erfolge anzuknüpfen.

In diesem Zusammenhang erscheint es angebracht, die Verdienste eines Mannes besonders hervorzuheben: Anton Pfaff. Er war 1910 dem Verein beigetreten und hatte in den schweren Jahren der Nazizeit, des Krieges und des Wiederaufbaus, nämlich von 1933 – 1937, von 1939 – 1952 und von 1958 – 1963 den Vorsitz inne und die Vereinsgeschicke unbeirrt aber mit Umsicht und Bedacht geleitet.

75 Jahre MGV

Das 75-jährige Jubiläum wurde in einem der Zeit angemessenen Rahmen gefeiert. Allerdings erstellte man zum ersten Mal eine Festschrift. Auf Curt Siebert folgte Kurt Buda als Dirigent und 1958 übernahm dann Adolf Gräser die Leitung des Chores. Ähnlich wie seinerzeit Sauer hat Gräser den Verein mehr als 30 Jahre lang dirigiert und außer­ordentlich viel zur musikalischen Ausbildung der Sänger beigetragen. Falkenstein lag in der amerikanischen Zone.

In den ersten Nachkriegsjahren hatten die alliierten Hochkommissare, die häufig in Frankfurt tätig waren, Wohnsitze in Falkenstein. Die Villen im Reichenbachweg waren beschlagnahmt, die Straße für Zivilisten gesperrt und auch verschiedene Häuser in der Feldbergstraße wurden von amerikanischen und englischen Offizieren bewohnt. Die Gemeinde hatte große Probleme mit der Wasserversorgung und der Wohnraumbeschaffung, da ab 1946 mehr als 300 Heimatvertriebene und Flüchtlinge in das Dorf kamen. Bei der Integration dieser Menschen haben sich die örtlichen Vereine große Verdienste erworben. 1946 nahm der Fußballverein seine Tätigkeit wieder auf, MGV und Mandolinenclub folgten 1947 und 1950 kam der Kur- und Verkehrsverein, heute Heimat­verein, hinzu. Die erste Kommunalwahl nach dem Krieg 1948 ergab folgende Zusammen­setzung des Gemeinde­parlamentes: CDU 5, FDP 4, SPD 3 Vertreter. Ehrenamtlicher Bürgermeister war von 1945 bis 1948 Hermann Groß (CDU), ihm folgte Ludwig Schmitt (parteilos), der das Amt – ab 1952 hauptamtlich – bis zu seiner Pensionierung 1968 bekleidete.

Während die Einwohnerzahl vor Kriegs­beginn bei knapp 1000 lag, stieg sie 1946 auf 1560 und betrug aufgrund eines großen Zuzugs aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet und einer damit verbundenen umfangreichen Bautätigkeit 1961 bereits 2600. Der Anstieg der Einwohnerzahlen führte innerhalb der katholischen Kirchen­gemeinde zu weitreichenden Überlegungen: 1953 kam es zur Errichtung einer eigenen Pfarrvikarie Falkenstein. 1956/58 wurde das Schiff der alten Kirche von 1725 abgerissen und durch einen geräumigen modernen Neubau ersetzt.

Wettstreite, Wertungssingen, Auszeichnungen – es geht voran

Mit dem neuen Dirigenten Adolf Gräser und unter dem Vorstand mit Günter Boller (1963-1992) an der Spitze, wurde der Verein schnell zu einem der leistungsfähigsten Chöre unserer Region. Dies zeigte sich ganz besonders im Jahre 1965, in dem der MGV auf sein 90-jähriges Bestehen zurückblicken konnte und dieses Ereignis mit einem beachtlichen Festprogramm beging, das an die 1200 Sänger nach Falkenstein brachte. Noch zu keinem Zeitpunkt hatte eine Veranstaltung so viele Besucher nach Falkenstein geführt. 

Fast 40 Jahre nach der ersten Rundfunkaufnahme (1926) folgte 1965 die zweite, und zwar im Rahmen der Sendereihe des Hessischen Rundfunks „Hessische Chöre singen“ in Frankfurt am Main.

1970 unternahm der Verein seine erste größere Reise, Ziel war Berlin. Gemeinsam mit dem MGV Oberreifenberg, der ebenfalls unter der Leitung von Adolf Gräser stand, fuhren die Sänger mit zwei Omnibussen in die geteilte Stadt. Ein großes Konzert im Ernst-Reuter-Saal, das die Chöre aus dem Taunus mit dem Berliner Chor Nord 06 sowie dem Chor und Orchester der AEG zusammen­führte, war der Höhepunkt des Berlinbesuches. 

Nicht nur in der Ferne, auch in der näheren Heimat zeigte der Verein 1970 sein Können. Beim Besuch zweier Wettstreite in Kronberg und Montabaur wurden schöne Erfolge errungen. 

Seit dem Abschluss einer Partnerschaft zwischen Falkenstein und Le Mêle, einer kleinen Gemeinde in der Normandie, bestanden auch freundschaft­liche Verbin­dungen in das Nachbar­land Frankreich. So kam es dann 1972 zur ersten Auslandsreise des MGV nach Le Mêle. 

Bei einem eindrucksvollen Gottesdienst, den der Bischof der Diözese Sees hielt, über­nahm der Verein die gesangliche Ausge­staltung. Ein musikalisches Ereignis besonderer Art war ohne Zweifel das Gemeinschaftskonzert mit dem seinerzeit in der Normandie sehr bekannten Chor „Schola Cantorum de l´Orne“ in der überfüllten Meloiser Kirche.

Nachwuchs gesucht

Zu allen Zeiten war es von besonderer Bedeutung, das Fortbestehen des Männer­chores durch das Anwerben junger Sänger sicherzustellen. 

In den 70er Jahren verstärkte der MGV mit Erfolg seine Bemühungen um die Nach­wuchs­förderung, so dass ein Jugendchor gegründet werden konnte. Viele Söhne der Mitglieder wurden aktive Sänger. Besondere Verdienste erwarb sich damals der leider zu früh verstorbene Hans Honisch. Aus dieser Jugendgruppe heraus wuchs dann dem Männerchor später eine Reihe junger Sänger zu. 

100 Jahre MGV

Noch nie hatte ein Verein in Falkenstein ein 100jähriges Bestehen feiern können, insofern war es ein besonderes Fest mit einem umfangreichen Programm, das der MGV 1975 unter großer Beteiligung der Bevölkerung der gesamten Region feiern konnte. 40 befreundete Vereine kamen zu Taunusliederabend, Freundschafts- und Punktwertungssingen und zeigten vor einem fachkundigen Zuhörerkreis ihr Können. In einer ansprechenden Festschrift wurde erstmals ausführlich die gesamte Vereinsgeschichte – eingebunden in die Ortsgeschichte – dargestellt und so einem großen Interessentenkreis nähergebracht.

Ereignisreiche Zeiten:
Kellerfeste, Frauenchor, Vereinshaus, Konzertreisen

Mit der Freilegung eines Kellerraumes auf der Falkensteiner Burg schuf sich der Verein im Jahr 1979 die Basis für die Durchführung eines Kellerfestes, dass viele Jahrzehnte zu einem der Höhepunkt im Vereinsleben zählen sollte. Mit den Einnahmen wurde der finanzielle Grundstock für die weitere Vereinsarbeit gelegt.

Im musikalischen Bereich schwebte der Männer­chor viele Jahre auf einer Erfolgswelle und errang bei Wettstreiten und Leistungssingen zahlreiche Auszeichnungen.

Im Jahr 1989 übergab KDM Adolf Gräser nach mehr als 30 Jahren sehr erfolgreicher Arbeit aus Altersgründen den Dirigentenstab an Hermann Grün. Auf dessen Initiative hin erfolgte 1994 auch die Gründung des Frauenchores „CantaNobis“. Mit Hermann Grün setzten Männer- und Frauenchor die erfolgreiche Zeit im musikalischen Bereich fort. Höhepunkt waren Konzertreisen nach Rom mit Auftritt im Petersdom oder Berlin mit einem Auftritt in der Berliner Philharmonie. Unvergessen bleiben auch Konzerte mit Ivan Rebroff oder den Limburger Domsingknaben.

2001 beendete Herrmann Grün aus beruflichen Gründen seine Chorleiter­tätigkeit im MGV. Mit  dem Engagement von Mark Opeskin gelang es einen adäquaten Nachfolger zu verpflichten. In die fast zwanzigjährige Chorleitertätigkeit von Mark Opeskin fielen große Konzerte, die u.a. in Kooperation mit Chören aus Wehrheim, Weiß­kirchen oder Königstein durchgeführt wurden. Unvergessen bleibt auch das Jubiläums­konzert im Jahr 2015 mit den Mainzer Hofsängern.

Dazwischen lag die Anmietung eines Hauses von der Stadt Königstein im Ortskern von Falkenstein, das mit Unterstützung zahlreicher Falkensteiner Handwerker und Förderer kernsaniert und heute als Vereinssitz dient.

MGV heute

Vom demografischen Wandel blieben auch die Chöre des MGV – und hier insbesondere der Männerchor – nicht verschont. Versuche, durch Kooperationen mit anderen Vereinen den Männerchorgesang aufrecht­zuerhalten, führten nicht zu dem gewünschten Erfolg. Daraus resultierte die Gründung eines Gemischten Chores, um den Chorgesang in anderer Form zu erhalten. Die Corona-Pandemie hat die musikalische Arbeit in den letzten Jahren zudem nicht leichter gemacht. In diese schwierige Phase fiel auch die Entscheidung von Mark Opeskin, aufgrund privater Veränderungen und dem Eintritt in das Rentenalter seine Tätigkeit als Chorleiter im MGV aufzugeben.

Trotz dieser Unwägbarkeiten ist es Anfang des Jahres 2023 gelungen, mit Philipp Raatz erneut einen versierten Chorleiter zu verpflichten. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt zunächst auf dem Gemischten Chor, dem aktuell 30 Sängerinnen und Sänger angehören. Man ist von Seiten des Vor­standes zuversichtlich, auf dieser Basis noch viele Jahre den Chorgesang in Falkenstein zu pflegen und weiterzuentwickeln.

Großes Ziel ist dabei das Jahr 2025, in dem der Verein sein 150-jähriges Jubiläum feiert.